Was vom Menschen übrig blieb.
Victor Ioan Frunzã inszeniert Brechts "Mutter Courage" am DSTT
Die Atmosphäre wird sehr wirkungsvoll durch das Bühnenbild von Adriana Grand (die Ausstattung verdient durchaus einen Preis des Theaterverbandes UNITER) betont. Metallenkalt ist es, und unfreundlich. Die Raumnutzung ist ebenfalls innovativ: Die Bühne nimmt den gesamten Raum des Saales ein, wodurch die Distanz zwischen Zuschauerraum und Bühne gesprengt und ein unmittelbares Erleben des Geschehens - allerdings für eine auf 90 Personen reduzierte Zuschauerschaft - ermöglicht wird. Diese Dimensionen ermöglichen auch, daß an den beiden Enden der Bühne Handlungen parallel verlaufen und die Vorstellung so an Dynamik gewinnt.
Die "Mutter Courage" ist vor allem eine Ensembleleistung. Unter der Spielleitung von Victor Ioan Frunzã wächst die dramatische Konstruktion zu einer Einheit, in der es keine Alleingänge gibt. Jede Nebengestalt ist mit äußerster Rafinesse gezeichnet, schafft für sich eine Welt, ohne die Gesamtkonstruktion zu beeinträchtigen. [...]
In der Rolle der Courage, auf deren Schultern die Handlung letztendlich ruht, glänzt Ildikó Jarcsek-Zamfirescu und schafft mit Sicherheit eine ihrer besten Rollen. Sie scheut vor großem körperlichem Einsatz nicht zurück und überzeugt mit einer großen Bandbreite an sehr glaubhaft dargestellten Emotionen. Ihr Spiel ist jedoch nicht von überzogener Theatralik oder forcierter Emphase, sondern von genuiner Humanität, die letztendlich in einen (angedeuteten) Wahnsinn mündet - in der sehr wirkungsvollen Schlußszene, in der sie, wirr singend, den brennenden Kinderwagen über die Bühne schiebt, während der Krieg (durch den singenden Kriegsgott, gespielt von Marc Ossau) weiter tobt.
Es überzeugt des weiteren auch Simona Vintilã, in der Rolle der stummen Kattrin, die versucht, sich selbst mitzuteilen und dabei dem Scheitern ausgeliefert ist. Sie verleiht der Rolle eine menschliche Dimension, die rührend ist. Als Feldwebel / Feldhauptmann hat Marc Ossau eine sehr solide Bühnenpräsenz, und auch bei den jüngsten Schauspielern ist eine Steigerung zu bemerken (Colin Buzoianu als Eilif und Boris Gaza als Schweizerkas). Mircea Dragoman als Werber und Fähnrich und Tatiana Sessler als Yvette schaffen ebenfalls glaubwürdige und gut umrissene Charaktere. [...]
Die Produktion ist schlüssig, kohärent und spannungsbeladen, was sie zu einem wahren Theatererlebnis macht.
Mit dieser "Courage" hat Victor Ioan Frunzã sicherlich eine der aufwendigsten, doch auch besten Produktionen des DSTT der letzten Jahre geschaffen, die auch in das Goldene Buch des Theaters eingehen wird. Sie setzt zudem in der Theaterwelt der Stadt ein Zeichen und empfiehlt die deutsche Bühne als eine gute Adresse, wenn es um Theater geht.
Warum wird (noch) gelacht, warum wird noch geklatscht? [zum Stück "Außer Kontrolle"]
Die glänzende Stimmung und das teuflische Spiel auf der Bühne lassen über zwei Stunden lang nicht nach, haben sie doch als Ausgangspunkt eine faszinierende Aneinanderreihung von Gags - alle bezaubernd und aussdrucksstark zugleich. (...) Der Schauspieler Bernd von Bömches - eine ausnahmslos "britische" Präsenz - ist Hauptelement in der gesamten Spielkonstellation. Und dies nicht nur, weil alles von ihm ausgeht und auf ihn zurückschlägt, sondern auch weil der Künstler - bei der Markierung dieser Gestalt - sein vielseitiges, unverwechselbares Können aufs Spiel setzt. In seiner Nähe bringen alle anderen Ensemblemitglieder beste schauspielerische Leistungen: profilstarke Auftritte, elegant eingesetzte Spiellust, fein gezeichnete Gestalten finden wir bei Mircea Dragoman, Ida Jarcsek-Gaza, Rares Hontzu oder Boris Gaza. Daniela Török ist weit mehr als das sympatische Sex-Symbol der deutschen Bühne, sie überzeugt in ihrer Darstellung. Vom Autor weniger konsistent behandelt, die Gestalten der Karina Reitsch und Isolde Cobet integrieren sich mit Maß in die Dramaturgie des Stückes, die von der Bühnenausstattung des Arch. Traian Zamfirescu, in Einklang mit der Absicht Bogdan Ulmus aufs glücklichste ergänzt wird.
Das Deutsche Theater auf Tournee
mit Vorstellungen der verschiedenen Genres
Zwischen dem 12. und 19. Mai diesen Jahres unternimmt das Deutsche Staatstheater Temeswar eine Tournee durchs Land, auf dem Reiseplan stehen ein paar Städte im Süden Siebenbürgens und Bukarest.
Auf dem Programm der Tournee stehen repräsentative Vorstellungen der Spielzeit 1999-2000: "Die Räuber" von Friedrich Schiller, unter der Regie von Clemens Bechtel (BRD), "das Märchen-Musical für die ganze Familie" "Rotkäppchen, Rotkäppchen" von Ernst A. Ekker und Sergej Dreznin, inszeniert von Mariana Tiron Emandi, der deutsche Musikabend "Die Musik macht jung", in der Aufführung der Solisten und des Orchesters des Deutschen Staatstheaters Temeswar unter der Leitung von Ioan Opra.
Das Theater hat sich vorgenommen, den Erwartungen der verschiedenen Kategorien von Zuschauern in Diemrich, Hermannstadt, Mediasch, Kronstadt und der Hauptstadt gerecht zu werden.
In der Truppe, die diese Reise unternimmt, fehlen nicht die Top-Schauspieler des Temeswarer Theaters: Ida Jarcsek-Gaza, Bernd von Bömches, Ildikó Jarcsek-Zamfirescu, Tatiana Sessler, Isolde Cobet, Harold Schmeltz, Dana Borteanu, Ildikó Frank-Ionescu, Mircea Dragoman, Daniela Török etc. Eingeladen zum Konzert "Die Musik macht jung" ist der beliebte Schauspieler Alexander Ternovits.
Heute und morgen spielen die Schauspieler des Deutschen Staatstheater Temeswar auf der Bühne des Puppentheaters "Gong" und des Staatstheaters "Radu Stanca" in Hermannstadt. Die Tournee endet in Bukarest, wo die Temeswarer Schauspieler die Vorstellungen "Rotkäppchen, Rotkäppchen" und "Die Räuber" auf der Bühne des Jüdischen Staatstheaters aufführen.
Geboren am 15. Januar 1975 in Kronstadt. 1997 absolvierte er die Deutsche Schauspielklasse der Musikhochschule der Westuniversität und stand seit seiner Studienzeit (1993) auf der Bühne des Deutschen Staatstheaters Temeswar. Er war: Bettler in "Der kleine Horrorladen" von H. Ashman, Ferdinand in "Kabale und Liebe" von Schiller, Ich in "Das Haus auf der Grenze" von Slawomir Mrozek etc. und Regieassistent für die Inszenierungen: "Don Juan kommt aus dem Krieg" von Ödon von Horvath und "Die Räuber" von Schiller. Ledig.
"König Bérenger"
Uraufführung auf der Bühne der Oper
Im Saal der Rumänischen Oper wird am 23. September um 19 Uhr ein außerordentliches Ereignis stattfinden - die Uraufführung der Oper-Theater-Vorstellung "König Bérenger" des Schweizer Komponisten Heinrich Sutermeister in der Bearbeitung und Regie von Franz Meewis nach dem Originaltext "Der König stirbt" von Eugene Ionesco. In der Inszenierung von Frans Meevis verbindet sich moderne Musik, mit vielen Dissonanzen und Synkopen, mit dem dramatischen Prosatext. Die unkonventionelle Vorstellung ist das Resultat der engen Zusammenarbeit der lyrischen Solisten mit den Schauspielern des Deutschen Staatstheaters Temeswar und ist eine Premiere für Rumänien. Außer der Hauptrolle, gespielt vom Bariton Cristian Rudic, werden alle Rollen von je einem Solisten der Oper und einem Schauspieler interpretiert. Auf der Besetzungsliste stehen Aura Twarowska, Stefania Stefan, Gergely Menyhért Németi, Elvira Cimponieriu, Sabin Placinta Ciurescu von der Rumänischen Oper Temeswar sowie Ida Jarcsek-Gaza, Tatiana Sessler, Mircea Dragoman, Ildikó Jarcsek-Zamfirescu und Boris Gaza vom Deutschen Staatstheater Temeswar. Die Vorstellung wird ins Rumänische untertitelt. Die Musikleitung hat der Dirigent Ion Iancu.
Das Deutsche Theater beendet kraftvoll die Spielzeit
in 100-prozentiger deutscher Besetzung
Erst vor kurzem mit der Kindervorstellung "Max und Moritz" nach Wilhelm Busch und dem Monodrama "Sibirien" von Felix Mitterer aus einer Siebenbürgen[Transilvanien]-Tournee zurückgekehrt, proben die Schauspieler des Deutschen Theaters in Temeswar "Den zerbrochenen Krug" (im Rahmen der Zusammenarbeit des Deutschen Staatstheaters Temeswar mit dem "Radu Stanca"-Theater aus Hermannstadt), "Damen der Gesellschaft" von Clare Boothe Luce, inszeniert vom deutschen Regisseur Clemens Bechtel (dem Temeswarer Publikum aus seinen früheren Zusammenarbeiten mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar bekannt). Die Erstaufführung dieser Vorstellung wird Ende September stattfinden. Bis dahin wird "Mutter Courage", die Vorstellung, die zu vielen Zeitungsdebatten führte, die aber ohne Widerspruch die beste Vorstellung der Temeswarer Theaterszene ist, wieder auf die Bühne gebracht, am Mittwoch, 19. Juni, 19 Uhr. Die Schauspieler Ildikó Jarcsek-Zamfirescu, Simona Vintila, Colin Buzoianu, Boris Gaza, Mircea Dragoman, Marc Ossau, Bernd von Bömches, Alexander Ternovits werden die Brecht-Figuren vor dem Bühnenbild der Bühnenbildnerin Adriana Grand und unter der Führung des begabten Regisseurs Victor Ioan Frunzã darstellen. Donnerstag, den 20. Juni, findet im Franziskanerhof die Komödie "Das Ende vom Anfang" von Sean O‘Casey statt, inszeniert von Bogdan Ulmu, und am Donnerstag, 19 Uhr, findet im Theatersaal die Vorpremiere der Vorstellung "Edith Piaf. Meine Sonne geht auf, wenn es Nacht wird." von Frank Geerk unter der Regie von Alexandra Gandi statt. Die Vorstellung ist die Lizenzprüfung der Studenten der deutschen Schauspielklasse der Westuniversität. Die Premiere wird Anfang der nächsten Spielzeit stattfinden.
Das Deutsche Theater zeigte gestern die Premiere von "Dinner für Spinner" von Francis Veber. Die Boulevard-Komödie, inszeniert von Bernd von Bömches, hat als Hauptfigur einen verrückten Buchverleger, der verschiedene Spinner sucht, um sie dann seinen Freunden bei einem wöchentlichen Dinner vorzustellen. Der aufgetriebene Spinner, ein Finanzbeamter, wird den Freunden in seiner Abwesenheit vorgestellt, weil der Verleger einen Hexenschuss hat... Francis Vebers Komödien wurden auf verschiedenen Bühnen der Welt gespielt, und gestern Abend haben wir im Bühnenbild von George Petre die Schauspieler Mircea Dragoman, Simona Vintila, Rares Hontzu, Marc Ossau, Ciprian Lungu, Daniela Torok, Colin Buzoianu und Alexander Ternovits gesehen, einige von ihnen sind Schauspielstudenten.
Am Sonntag, den 29. April, 19 Uhr, und am Montag, den 30. April, auch um 19 Uhr, findet auf der Bühne des Deutschen Staatstheaters Temeswar die Premiere der Vorstellung Mutter Courage und ihre Kinder von Bertolt Brecht statt. Die Besetzung besteht neben der Truppe des Theaters Temeswar aus: Ildikó Jarcsek-Zamfirescu, Marc Ossau, Bernd von Bömches, Alexander Ternovits, Mircea Dragoman, Boris Gaza, Simona Vintila, Johanna Adam, Colin Buzoianu, Tatiana Sessler. Die Musik ist von Paul Dessau, die Choreografie von Liana Iancu, das Bühnenbild und die Kostüme von Adriana Grand und die Regie führt Victor Ioan Frunzã. Mutter Courage ist eine Chronik aus dem 30-jährigen Krieg, eine Geschichte über einen Kompromiss, über eine Welt basierend auf dem Prinzip "wer betrügt wen". Die Vorstellung mit dieser Inszenierung findet in einem speziellen Bühnenraum statt: ein Gebiet hinter der Frontlinie. Der Theatersaal wird zu einer Plattform, auf der sich Schauspieler und Zuschauer treffen, in einem metallischen Ambiente, das ständig zerbricht und dann wieder entsteht. In einer Ecke der Plattform ist das Orchester untergebracht, das die Schauspieler begleitet. Die Rolle der Anna Fierling wird von der Schauspielerin Ildikó Jarcsek-Zamfirescu gespielt (zum zweiten Mal am Deutschen Staatstheater Temeswar, nach der Version von 1988 unter der Regie von Darida Istvan-Andras). Die Vorstellung in deutscher Sprache wird simultan ins Rumänische übersetzt [über Kopfhörer].
Im großen Saal des Deutschen Staatstheaters Temeswar fand am Sonntag, den 29. April, die Premiere der Vorstellung "Mutter Courage" von Bertolt Brecht unter der Regie von Victor Ioan Frunzã, Kostüme und Bühnenbild von Adriana Grand, Choreografie von Liana Iancu und Musik von Paul Dessau, statt. Die Vorstellung vereinigt ein junges Team von deutschsprachigen Schauspielern, Absolventen oder Studenten der deutschen Schauspielklasse der Musikhochschule der Universität in Temeswar und wurde mit der Hilfe des Instituts für Auslandsbeziehungen Stuttgart, der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg und des Kreisrates Temesch erarbeitet. Auf der Besetzungsliste stehen neben der ganzen Truppe des Deutschen Staatstheaters Temeswar: Ildikó Jarcsek-Zamfirescu, Marc Ossau, Bernd von Bömches, Alexander Ternovits, Mircea Dragoman, Boris Gaza, Simona Vintila, Johanna Adam, Colin Buzoianu, Tatiana Sessler.